Datenmissbrauch
Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten? Der Staat missbraucht seine Sicherheitsbefugnisse nicht? Die dafür zuständigen Mitarbeiter halten sich strikt an das Gesetz? Überwachung hat für die Betroffenen keine negativen Folgen? Hier eine Liste von Gegenbeispielen, die zeigt, warum die ausufernde Datensammlung und Überwachung niemandem egal sein kann.
Die hier gelisteten Fälle zeigen auf schockierende Weise, welcher Schindluder mit personenbezogenen Daten getrieben wird. Gesetzmäßige Zweckbindung und Lösch- sowie Sorgfaltspflichten interessieren hier niemanden.
Falscher Verdacht
Pannen
Absichtliche Handlungen
Missbrauch durch Einzelpersonen
Falscher Verdacht
Datenschutz ist Täterschutz? Wer sich nichts zu schulden kommen lässt, der braucht auch die Polizei nicht zu fürchten?
Aber was wenn die Polizei einen unbegründeten Verdacht gegen sie hegt? Ein solcher Verdacht kann genauso schlimme Konsequenzen haben, wie eine nachgewiesene Schuld, nur das sie kein Richter davor schützt.
- Ein 67-jähriger Wiesbadener geriet unter Verdacht, sich Kinderpornografie beschafft zu haben, weil von seinem Bankkonto entsprechende Abbuchungen vorgenommen wurden. Tatsächlich hatten aber Unbekannte seine Kreditkartendaten missbraucht. Am 15. Dezember 2006 standen zwei Kriminalbeamte in seinem Büro in Wiesbaden. Einen Durchsuchungsbeschluss hatten sie dabei, demzufolge die Computer im Büro beschlagnahmt werden sollten, außerdem sämtliche Speichermedien wie externe Festplatten und CD-ROMs. Seine private Wohnung, das Geschäft und das Auto sollten durchsucht werden. Nur weil sich der Betroffene nachhaltig beschwerte und ihm seine Bank schnell Belege faxte, brachen die Ermittler die Durchsuchung ab. Quelle
- Ein junger Navy-General und 38 weitere Personen aus England nahmen sich das Leben, nachdem sie aufgrund von Datenspuren verdächtigt und teilweise sogar verurteilt wurden, sich Kinderpornografie beschafft zu haben. Der junge Navy-General war vom Dienst suspendiert worden, obwohl sich die Vorwürfe gegen ihn in den Ermittlungen zuvor nicht erhärtet hatten (Quelle). Im April/Mai 2007 stellte sich endgültig heraus, dass ein Grossteil der Verdächtigen Opfer von Kreditkartenbetrügern waren. Ihre Kreditkarte war benutzt worden, um bestimmte Sites zu besuchen, unter denen auch Kinderporno-Sites gewesen sein sollen. Quelle Teil 1, Teil 2.
- Zehntausende Flugpassagiere wurden fälschlicherweise als Terrorverdächtigte gelistet und sahen sich deshalb mit Einschränkungen bei ihren Reisen konfrontiert (Quelle). Darunter befanden sich sogar Persönlichkeiten wie der bekannte amerikanische Senator Edward Kennedy. Quelle
- Ein amerikanischer Feuerwehrmann wurde festgenommen wegen versuchter Brandstiftung. Er soll versucht haben, durch Anzünden seines Hauses seine Frau und Kinder zu töten. Hauptbeweismittel war, dass er Feueranzünder derjenigen Marke gekauft hatte, die bei der versuchten Brandstiftung zum Einsatz kam. Dieser Datensatz war gespeichert, weil der Feuerwehrmann die Anzünder mit seiner Kundenkarte bezahlt hatte. Er kam erst wieder frei, als eine andere Person die Tat gestand. Quelle
Sie glauben nicht, dass der Staat mit Ihren Daten Schindluder treiben wird? Aber was wenn nicht nur der Staat auf ihre Daten Zugriff hat? Oder wenn Sie mit einem Kriminellen verwechselt werden?
Nur wenn keine Daten gesammelt werden kann garantiert werden, dass Ihre Daten sicher sind. Jede existierende (legale wie illegale) Datensammlung kann potenziell von Kriminellen ausgespäht werden.
Wie Sie an den unten genannten Beispielen sehen können, ist dies oft auch nicht weiter schwierig:
- Die Hessische Polizei stellt versehentlich ein 13 Seiten langes Einsatzprotokoll von Verkehrskontrollen ins Netz. Darin finden sich Namen, Geburtsdaten, aktuelle Adressen der Kontrollierten, „eventuelle Vorstrafen“, Automarke, Kennzeichen sowie Gesetzesverstöße. Die Daten stehen seit Februar 2006, also fast ein Jahr, im Netz und auch als das Ganze zufällig einem Rechtsanwalt auffällt, sieht sich die Polizei tagelang außerstande, die Daten aus dem Netz zu nehmen. Quelle Quelle
- Das britische Amt für polizeiliche Führungszeugnisse (Criminal Records Bureau) hatte bei ca. 2.700 Personen fälschlicherweise Vorstrafen notiert. Einige bekamen aufgrund dieser Fehlinformationen keine Stelle. Quelle
- Die Auskunft der Telekom schlampte und gab die Adresse des Frauenhauses Tübingen heraus. Daraufhin musste die ganze Einrichtung schließen, weil die Sicherheit der Frauen nicht mehr gewährleistet war. Quelle
- Der für Sicherheit an US-Flughäfen zuständigen Transportation Security Administration (TSA) ist eine externe Festplatte mit 100.000 Datensätzen über Mitarbeiter abhanden gekommen. Die Datensätze enthalten unter anderem die Namen, Sozialversicherungsnummern, Geburtsdaten, Gehaltsinformationen und Bankverbindungen von Mitarbeitern. Quelle, Quelle
- Alcatel-Lucent verliert Datenträger mit sensiblen Mitarbeiterinformationen. Auf dem Datenträger befanden sich Gehaltsinformationen, Geburtsdaten und Sozialversicherungsnummern von zahlreichen Angestellten und ehemaligen Mitarbeitern. Quelle
Ihre Daten sind sicher? Die Gesetze verbieten eine Anwendung zu ihrem Nachteil? Selbst wenn es so wäre, niemand kann ihnen garantieren, das die Gesetze auch eingehalten werden.
- Brandstiftung in Schleswig-Holstein. Alle, deren Handy sich zur Tatzeit in der Nähe des Brandorts befand, wurden von der Polizei angeschrieben. Wer nicht antworte, müsse mit weiteren Maßnahmen rechnen, so die Polizei (Quelle 1, Quelle 2). Die Generalstaatsanwaltschaft stoppte die Fahndung als rechtswidrig. Der Täter wurde auf andere Weise gefasst. (Quelle)
- 32.000 Personen wurden nach einer Rasterung in eine bundesweite Datei „Schläfer“ aufgenommen. Dabei gab es nicht auch nur ansatzweise konkrete Anhaltspunkte dafür, dass es sich gerade bei ihnen um so genannte Schläfer handeln könnte oder sie mit solchen in Kontakt stehen würden (Quelle). Aufgrund der Rasterfahndung wurden in Hamburg 140 ausländische Studenten von der Polizei zu „Gesprächen“ vorgeladen (Quelle).
- Gegner von Gentechnik in der Landwirtschaft sind im oberbayerischen Landkreis Ebersberg ins Visier des Staatsschutzes geraten. Der Sprecher der Polizeidirektion in Erding, Christoph Huber, weist Vorwürfe zurück. Es sei darum gegangen, „die Versammlung vor möglichen Störern zu schützen“. Die Staatsregierung teilt mit, dass bei Straftaten im Zusammenhang mit Gentechnologie von Staatsschutzdelikten ausgegangen werde. Quelle
- Weibliche, unverdächtige Besucher von Fußballspielen mussten sich vor den Augen der Polizei nackt ausziehen und eine umfassende Kontrolle dulden. Dies passierte unter anderem einer 17-jährigen Schülerin (Quelle).
Missbrauch durch Einzelpersonen
Gut, Firmen und Ermitlungsbehörden können ihre Daten zu ihrem Nachteil missbrauchen, aber wenn die sie auf dem Kicker haben, dann haben sie sowieso verloren? Einzelpersonen können ihre Daten nicht in der Art missbrauchen, bzw. haben erst gar keine? Wie naiv! Die hier gelisteten Fälle zeigen eindrücklich, das es nicht immer Firmen oder Behörden braucht, um einen Menschen zu ruinieren.
- Deutscher Polizeidirektor soll polizeiliche Informationssysteme benutzt haben, um Infos über Leute abzufragen, die eine Wohnung von ihm mieten wollten (Quelle). Das Verfahren ist eingestellt worden (Quelle).
- Der bayerische Datenschutzbeauftragte hat 2005 stichprobenweise 53 Abfragen von Polizeibeamte im polizeilichen Informationssystem überprüft. Bei 15 dieser Anfragen konnte eine dienstliche Notwendigkeit nicht festgestellt werden; 3 Abfragen waren sogar eindeutig dem privaten bzw. sozialen Umfeld der abfragenden Polizeibediensteten zuzurechnen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass mindestens 5% der Datenabfragen von Polizeibeamten missbräuchlich erfolgen. Quelle
- Mitarbeiter des Pergamon-Museums benutzen für die Dauer eines Jahres eine Überwachungskamera, um das Wohnzimmer von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu beobachten (Quelle).
- Ein in Berlin tätiger Mitarbeiter des Geheimdienstes, der mit der Überwachung elektronischer Kommunikation betraut war, soll seine technischen Möglichkeiten auch privat genutzt haben. Er soll während seines Dienstes den Email-Verkehr eines Deutschen ausgespäht haben, weil dieser ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Quelle
- In Italien ließ der Sicherheitschef der Telekom von 1997 bis 2006 die Telefonate von mehr als hunderttausend Bürgern abhören, darunter einfache Angestellte, aber auch Großbankiers, Politiker, Unternehmer, Intellektuelle, Sportler, Schiedsrichter, Show-Größen. Dies war ihm möglich, weil er für die Durchführung von (legalen) Telefonüberwachungen zuständig war. Er schleuste gefälschte, gerichtliche Überwachungsanordnungen ein. Neben den Telefondaten gelangte der Spionagering auch an Email-Korrespondenzen, Bankverbindungen und andere Daten. Diese Informationen wurden gegen Bezahlung von etlichen Polizisten und Finanzpolizisten geliefert – elf sind verhaftet worden. Diese Beamten drangen in Dateien der Steuerbehörden und des Innenministeriums ein, um die illegalen Dossiers noch anzureichern. Mit den gewonnenen Informationen wurden Skandale im den Medien produziert oder Menschen erpresst. Der Sicherheitschef verdiente 20 Mio. Euro an den Informationen. Quelle, Quelle
- Datendiebstahl ist ein großes Problem. Der amerikanischen Handelskommission zufolge erlitten allein im Jahr 2002 10 Mio. Amerikaner oder 5% der erwachsenen Bevölkerung Nachteile infolge von Datendiebstahl. Datendiebstahl führt für die Betroffenen zu finanziellen Verlusten, zu Kreditkündigungen, dem Verlust von Arbeitsplätzen, in manchen Fällen sogar zur Festnahme Unschuldiger, deren Daten von Kriminellen benutzt worden waren. In den meisten Fällen dauert es lange, die Folgen eines Datendiebstahls zu beseitigen. Quelle
- Jeden Monat gelangen 6 Millionen persönliche Daten (Sozialversicherungs- oder Kreditkartennummern, medizinische Daten, Adressen etc.), die rechtmäßig gesammelt wurden, in den USA in die falschen Hände, ergab die Auswertung eines amerikanischen Professors. Grundlage für die Schätzung sind Berichte in großen Medien über Vorfälle, bei denen der Datenschutz zwischen 1980 und 2006 verletzt wurde. Dabei kam er auf 1,9 Milliarden Datensätze oder neun Datensätze pro erwachsenem Amerikaner. Von den 550 bestätigten Vorfällen gingen 31 Prozent auf Cracker, 60 Prozent aber seien auf Nachlässigkeiten der Unternehmen oder Organisationen zurückzuführen, beispielsweise auf Hardware, die gestohlen oder verloren wurde. Jetzt würden vor allem aus Nachlässigkeit der Unternehmen, nicht aufgrund von kriminellen oder anderen Hackern, monatlich 6 Millionen persönliche Daten kompromittiert werden. Quelle